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    Erstausstrahlung: Sonntag, 23. April 2023, 6:05 Uhr
    (Wdh.11:05, 18:05)

    Alexander Meschnig: Selbsthass

    • Nichts charakterisiert den Westen mehr als die Abscheu vor dem Westen. Ob eine deutsche Antifa-Aktivistin den „Volkstod der Deutschen“ fordert oder eine Ikone der globalisierungskritischen Bewegung unseren Reichtum anprangert, in der Abwertung des Eigenen kommt ein kulturelles Muster zum Ausdruck, das in dieser Weise nur die demokratischen Gesellschaften des Westens kennen. So ist es etwa eine weit verbreitete Pflicht und Ausweis hoher Moral deutscher Politiker geworden, „rassistische Anteile“ der eigenen Bevölkerung, man erinnere sich an Begriffe wie Pack, Ratten, Mob, Dunkeldeutsche, lautstark medial anzuklagen, moderne Entsprechungen der öffentlichen Buße heiliger Männer in einer zutiefst verdorbenen Welt. „Wir“ haben noch viel gutzumachen. Im nachfolgenden Essay wird der Versuch gemacht, Antworten darauf zu geben, wie der Selbsthass – und Deutschland ist hier nur ein besonders drastisches Beispiel – zum zentralen Gefühl der westlichen Kultur werden konnte.

    Kommentare
    Huejos
    Ein hervorragender Beitrag! Ein Feuerwerk von Einsichten!
    Als Psychologe sollte Herr Meschnik einen Anschlussvortra g halten: „Die Faszination der Zerstörung/des Hasses aus tiefenpsycholog ischer Sicht.“

    JohannesC
    Ich muß Herrn Meschnig widersprechen. Es gibt in der ev. Kirche sehr wohl die Beichte. Sie kann kollektiv in einem Beichtgottesdie nst oder auch persönlich gegenüber einem Pfarrer abgelegt werden. Es gibt aber keinen Zwang wie in der römischen Kirche.

    Der Selbsthaß der Deutschen hat seinen Ursprung nicht in Deutschland sondern ist ein Wunsch des Auslands. Die Deutschen sind gelehrige Schüler und haben verstanden, eine gute Gesinnung wird belohnt. Die Belohnung wird aber erst in der Unendlichkeit gewährt. Bis dahin heißt es: die Schuld ist nicht vergeben. Ganz anders ist Christus. Als einmal ein Kranker zu Jesus geführt wurde, fragten ihn die Jünger u. a., ob seine Vorfahren etwas Schlechtes getan hätten. So denken viele noch heute. Alle Menschen sind Sünder und wenn nicht jetzt, im Angesicht all der (bösen) Maßnahmen, die weltweit verordnet wurden, wird man erkennen, daß kein Volk ohne Sünde ist und wir aller Christi Vergebung bedürfen. Diese wird uns geschenkt - aus Gnade - ohne all unser Verdienst, wenn wir glauben. Heute und nicht nur in der ev. Kirche, auch in den Freikirchen und in der römischen Kirche ist man im Alltag so unwissend geworden über Gottes Wort, daß wir auf die eigentlich dummen Schliche des Teufels hereinfallen. Das ist unser Problem und nicht, ob irgendwo eine Mehrheit der römischen oder der ev. Kirchen angehört.

    JohannesC
    ... und der Glaube wird uns auch noch geschenkt. Wir müssen nur darum bitten.
    Mimatt

    Hallo,
    ich kenne keinen aus der Normalbevölkerung der Dt.-Land im vorgetragenen Sinne hasst. Das Wort Hass ist sowieso eine Übertreibun g
    ohne die man heutzutge kaum noch was im politischen Eigeninteresse bewirkt. Richtig dürfte die Formulierung der aufgeschwätzen übertrieben en Eigenkritik sein, die unter Hinweglassung des Positiven wie Entwicklungshil fe durchgezogen wurde und wird. Die Vorwerfer greifen zum Mittel der Totalverurteilu ng, wie es einst die kath. Kirche tat - also genauso beweislos. Die Vorwerfer versuchen so das ideologische durchzusetzen was ihnen bisher nicht gelang, nämlich die ideologisch festgesetzte völlige Gleichheit. Dass viele Politiker das acceptieren liegt an deren vielfacher Imkompetenz, die eigentlich schon sprichwörtlich sein müsste.
    Es ist überhaupt ein rechtswidriger Irrsinn von den Unschuldigen, weil danach geboren,
    Schuldbekenntni s und Bussleistungen zu verlangen. Der Schuldvorwurf ein alter mieser Trick der Priesterkasten seit dem es sie gibt, um an Geld und Macht zu kommen. Genauso könnte man von jedem Bürger Haftung für die üblichen alltäglichen Verbrechen verlangen, weil x-mist, y-mist und z-mist behaupetet wird.

    venabili
    Insbesondere an die Beiträge von ktg und Besmer: Herr Meschnig hat ein Kulturphänomen (Selbsthass)her ausgepickt. Insofern kann hier von "Einseitigkeit" oder "Kolonialgeschic hte schönschreiben " überhaupt keine Rede sein.

    M.E. stellt er sehr gut dar, wie aufgrund einer fehlenden Differenzierung sfähigkeit und mangelnder intellektueller Redlichkeit ein unreflektierter emotionaler Zug sich gesellschaftlic h Bahn bricht, der alle Züge von Autoagression hat.

    Es sind diese Grundlagen einer okzidentalen Geistesgeschich te ( diskursive Analyse aller Aspekte von Idealvorstellun g und Kontingenz der Realität und daraus abgeleitetem persönlichen Handeln), die verloren gehen zu Gunsten einer emotional unreifen Schuld- und Sühneideolog ie.

    Es kommt hier gar nicht auf den Punkt an, was an Unrecht im Rahmen der Kolonisierungen und in Besitznahmen passiert ist sondern darauf, dass die Fähigkeit aus diesen Vorgängen zu lernen verloren geht und es in eine Art Selbstgeisselun g bis zum Tode ausartet!

    ktgund
    Ein interessanter Beitrag, der einen guten Überblick über die ideologischen Wurzeln des Selbsthasses gibt.

    Allerdings ist mir die Einteilung zu pauschal und vereinfacht. Es beginnt mit dem Begriff des Westens, der unkritisch übernommen wird, obwohl bereits das Beispiel Harris impliziert, dass es Bruchlinien gibt.

    Was ist der Westen und wer sind "wir"? Es besteht ein gewaltiger Unterschied im "Wir" zwischen Deutschen, Franzosen, Belgiern, Engländern und Amerikanern etc.

    Gerade nämlich unter dem Aspekt des Kolonnialismus oder des Rassismus haben die Länder eine sehr heterogene Geschichte, die auch hinsichtlich ihrer Spätfolgen zu differenzieren ist.

    Es ist sehr wohl ein deutlicher Unterschied, ob ein Land aus englischer oder belgischer Kolonnialverwal tung in die Unabhängigkeit entlassen wurde.

    Die Vorwürfe, die speziell von den Linken gegen westliche Länder erhoben werden, sind ja nicht von der Hand zu weisen. Auch die amerikanischen Angriffskriege mit der NATO gegen die islamische Welt sind Tatsachen.

    Das legitimiert nicht den Hass, aber erzwingt eine kritische Auseinandersetz ung mit dem gezeichneten Selbstbild des überlegenen "Westens".

    Auch Russland ist ein Vielvölkerstaat, ohne Sklaverei und Rassismus. Dafür mit anderen dunklen Kapiteln.

    Das "Wir" kann es in einer liberalen Gesellschaft nicht geben. Wer durch die Gesellschaft zurückgewiesen oder gar geschädigt oder verfolgt wurde, lehnt die Zugehörigkeit zum Kollektiv ab. Und zwar legitimerweise.

    Besmer
    Guten Tag, mit diesem Essai komme ich nicht zurecht. Will der Verfasser Kolonialgeschic hte schön schreiben? Wie war das in Chile mit dem Umsturz, zum Beispiel? Mit dem Opiumkrieg in China? Das muss ja nicht gleich zum Selbsthass einer ganzen "Wertegemeinscha ft" führen, aber daraus abzuleiten, der "Westen" mache alles schon recht, ist mir zu billig.
    Jacorakel
    @Bemser:
    Billig ist lediglich die Eindimensionali tät, auf der die CriticalRaceThe ory basiert, die den Mumpitz, mit dem wir uns heute als Schuldige befassen, vor 40 Jahren genauso ins Rollen brachte. Und darum geht es in dem Essai vornehmlich: dass der Weiße schuld hat.
    Das redet die Kolonialgeschic hte nicht klein und ist mitnichten die Absprache, dass es auch wirklich kein rühmlicher Teil der Geschichte war.
    Der Essai zielt auf die Etablierung von Schuld, die den Deutschen als Volk ja bereits etwas länger als 40 Jahre bekannt ist.

    Und was Selbsthass anrichten kann:
    es ist ja rational ebensowenig zu erklären, wieso jemand meint das Klima retten zu müssen. Und dieses meint einleiten zu können, indem man sich auf die Straße klebt.Wenn man den Betroffenen zuhört, sähe ich eher akute Hilfsbedürftigkeit völlig überfordert er Menschen. Das folgt m.E. demselben Muster: Schuld
    Und da mündet die Selbsthass-Geschichte vorerst

    Besmer
    Guten Tag Jacorakel,
    Einverstanden Selbsthass ist nicht sehr kunstruktiv. Was ich vorallem feststelle, ist eine grassierende Doppelmoral bei Politkern aller Couleur, die je nach Agenda, schon auch mal die Geschichte schön schreiben.In diesem Sinne, ist mir der Vortrag einfach zu einseitig. Hat immerhin zum Nachdenken angeregt und somit wohl sein Ziel erreicht?

    Jacorakel
    Schön von Ihnen zu hören.
    Um Schuld und Sühne geht es. Doppelmoral ist ein anderes Feld. Die Doppelmoral gibt es, ist nicht auf "der Agenda", aber immer hilfreich kurzfristig Meinungen zu "erzeugen".
    Ich meine Facetten sichtar zu machen. Stelle aber Schlagseite links fest.

    Besmer
    Guten Morgen, verstehe Ihre Anwort nicht so richtig. Wo verorten Sie denn die Schlagseite links? Schuld und Sühne sind ja per se nicht schlechte Werte, oder? Problematisch werden dieses Wörter erst, wenn sie zum Selbsthass und zu einer Diskriminierung von nicht sich Selbsthassend führen. Als nicht Deutscher kann ich diese Verleugung der eigenen Herkunft nicht nachvollziehnen , ergibt ja auch keinen Sinn, weil wir dann in letzer Konsequenz bei Adam und Eva landen würden. Zurück zum Essai: solche Gedankengänge habe ich vermisst. Aus meiner Sicht wurden nur die plakativen Missstände hervorgehoben, während die Ursachen aus meiner Sicht nicht ausreichend beleuchtet wurden. Aber wie bereits erwähnt, ich habe darüber nachgedacht, somit hat der Essai sein Ziel wohl erreicht. Wünsche einen guten Tag und weiterhin frohes Schaffen.
    Frost
    Die Darstellung der Zusammenhänge ist hilfreich, um die eigene Bestürzung zu verstehen. Danke auch für die Ernsthaftigkeit des Vortrages die nötigen Pausen.
    Prager
    Herzlichen Dank für Ihren hervorragenden Essay, Herr Meschnig. Ich werde ihn mir gleich noch einmal anhören, da er sehr viele Denkanstöße enthält. Der Begriff „ Klimarassismus“ ist unfassbar.

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